Roger M. Buergel

Aus aktuellem Anlass zeigen wir wieder: Roger M. Buergel ist Kurator der Ai Weiwei Show im Museum DKM

„Der freie Geist ist unbezahlbar, er ist eine der Voraussetzungen für das Glück eines Menschen.” - Aus welchem Mund klingt solche Botschaft glaubwürdiger, denn aus dem von Ai Weiwei! 1957 als Sohn des chinesischen Dichters und Regimekritikers Ai Qing geboren, wuchs er, bedingt durch die zwanzigjährige Verbannung des Vaters am Rand der Wüste Gobi, in der Mandschurei auf.

 

Je mehr sich Ai Weiwei als Dissident und Kritiker des chinesischen Systems erweist, desto mehr wird er westliche Medien in seine künstlerische Strategie einbeziehen. Die Öffentlichkeit der westlichen Kunstszene bietet ihm Schutz und Resonanzraum zugleich. Seit die chinesische Regierung seine Webseite im vergangenen Jahr offiziell geschlossen hat, er auf einer Recherchereise ins Erdbebengebiet der Provinz Sichuan verhaftet und von Sicherheitsagenten brutal  zusammengeschlagen wurde, sieht sich der Künstler in seiner Existenz bedroht - und kehrt doch immer wieder in seine Heimat zurück.

 

“Template”, ein haushoher Turm aus Türen von traditionellen chinesischen Tempeln, die zur Schaffung von Bauraum abgerissen wurden, stürzte während der documenta 12 (16. Juni bis 23. September 2007) ein. “Umso schöner” befand Ai Weiwei damals und ließ die Skulptur in der Karlsaue liegen, wie der Wind und die Schwerkraft es wollten.

 

“Es ist Zeit, genauer hinzuschauen”, mahnen die beiden Duisburger Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas (DKM) und meinen damit wohl beides: Das Werk des Künstlers, das nach Auftritten auf der documenta 12 in Kassel (2007) und im Münchner Haus der Kunst (2009) unter der politischen Arbeit beinahe verschütt zu gehen droht. Andererseits sucht Weiwei die Unterstützung der Kunstwelt wie nie zuvor.

 

“Barely Something” will die künstlerische Entwicklung von Ai Weiwei über die letzten 15 Jahre nachzeichnen. Das Spannungsvolle dieser Entwicklung liegt sicher in der prekären, wie formbewußten Verknüpfung des hochdynamischen China mit Bausteinen der westlichen Moderne. Die DKM-Ausstellung lenkt den Blick darum auch einmal wieder zurück auf das in den 80er Jahren in  New York entstandene Frühwerk des Künstlers. Im Duisburger DKM ist aber auch Ai Weiweis neueste Arbeit zu sehen: eine lyrische Klage über “die Opfer der schlechten Regierung”.

 

Externer Höhepunkt ist die aktuelle Rauminstallation “Sichuan” in der Galerie DKM im “Garten der Erinnerung” am Duisburger Innenhafen. Hier leuchten auf dem Bildschirm eines Laptops die Namen jener 4851 chinesischen Schulkinder in Erinnerung auf, die bei dem Erdbeben im Mai 2008 unter den einstürzenden Dächern ihrer maroden Schulen starben. Die chinesische Regierung aber bestreitet bis heute die Unfälle und verschweigt die Namen der Kinder.

 

2002, im Rahmen der Ausstellung “China - Tradition und Moderne” (Museum Schloss Oberhausen) sind die beiden Sammler zum ersten Mal mit Vertretern der zeitgenössischen Kunst Chinas wie Ai Weiwei, Song Dong, Yin Xiuzhen und Qiu Shi-Hua in Kontakt gekommen und für ihre Sammlung erworben: Als erstes Museum in Deutschland hat das MDKM Coloured Vases, u.a. Werke Ai Weiweis ausgestellt. Mit Roger M. Buergel hat das nach wie vor private, erst vor gut einem Jahr gegründete DKM, den wohl wichtigsten Kenner des Werkes von Ai Weiwei als Kurator gewinnen können.

 

eiskellerberg.tv traf Roger M. Buergel, um mit ihm über den großen Unverdrossenen und weltbekannten Künstler zu sprechen. Buergel, 1962 in Berlin geboren, leitete 2007 die documenta 12 in Kassel. Er wurde 2008 zum Chefkurator des Miami Art Museums berufen.

 

Ai Weiwei im Museum DKM und in der Galerie DKM | 19.03.2010 - 20.09.2010.

 

Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 tritt das Museum DKM erstmals zusammen mit den 19 RuhrKunstMuseen auf.

 

Das Booklet “Barely Something - 4851″ mit Texten von Roger M. Buergel und Ai Weiwei hat jenes Erdbeben in Sichuan zum Thema, bei dem mehrere tausend Schüler ums Leben kamen - wahrscheinlich durch korruptionsbedingte Baumängel an Schulgebäuden.

 

21.06.2011 12:36 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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