„… nicht abhängig von Geld, sondern von Ideen“

Walter Smerling - ein Gespräch. 25 Jahre Verein „Stiftung für Kunst und Kultur“

Ist Kultur ein Luxusgut?
In einem Jahr: 9,6 Milliarden Euro gaben Bund, Länder und Gemeinden 2010 für Theater, Musik, Bibliotheken, Museen, Kunsthallen, Kunsthochschulen und Denkmalschutz aus. Nochmals 2 Milliarden erhielt der sogenannte kulturnahe Bereich: Medien, Kirchen und Volkshochschulen. Die Debatte um Kultursubventionen nimmt an Heftigkeit zu.

 

Viel Geld “…und schnell werden die Stimmen im Land der Dichter und Denker mit der weltweit höchsten Theaterdichte und den meisten Sinfonieorchestern laut: Ist diese Kultur ihr Geld wert? Oder ist dieser Preis viel zu hoch angesichts leerer Staatssäckel und könnte man damit nicht viel Vernünftigeres anfangen?” fragt der Deutsche Kulturrat und startete am UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt (21. Mai) erstmals den bundesweiten Aktionstag “Kultur gut stärken”. Es sollte eine Demonstration kultureller Vielfalt werden - ganz im Sinne von Hilmar Hofmann und Hermann Glaser, der beiden sozialdemokratischen Kulturdezernenten, die in den 70ern in Frankfurt und Nürnberg die Förderung freier Gruppen im Kulturbereich und die Gründung soziokultureller Zentren durch Steuergelder initiiert haben. Eine Demonstration aber auch gegen den zunehmenden Kulturabbau.

 

Der Deutsche Kulturrat will aber auch daran erinnern, daß Kultur “ein revolutionäres Potenzial hat und im globalen Rahmen eine unverzichtbare Ressource für die Freiheit und die Entwicklung pluralistischer Gesellschaften ist”, wie die Entwicklung in der arabischen Welt und aktuell die Diskussion um den chinesischen Künstler Ai Wei Wei zeigt.

 

Ist Kultur ein Luxusgut geworden?

 

Für ein ausgereiftes Kommunikationstalent wie Walter Smerling muß es erstaunlich sein, wie oft er schon missverstanden wurde. Daraus hat er gelernt. Er spricht nicht mehr so gerne über seine Pläne und hochfahrenden „Projekte”. Sein Wahlspruch lautet: „Ideen sind gut - Ideen umsetzten ist besser”. So ist aus dem Anreger und Aufreger ein Pragmatiker geworden, „Kunstumsetzer”. Authentisch will er wirken und von der „Nachhaltigkeit” des Kunstgeschäfts ist er überzeugt. Kontakte pflegt es wie kaum ein Anderer.

 

Erweckung durch Beuys, der Leuchtturm
und die Baustelle:

 

Vor 25 Jahren hat er in seiner Heimatstadt Bonn zusammen mit einer Hand voll Freunden die „Stiftung für Kunst und Kultur e.V.” ins Leben gerufen. Ein Verein, dessen geschäftsführender Vorstand Smerling nach wie vor ist. Konkurrenzlos sein Geschick, private Gönner und Sponsoren aus dem Bankgewerbe und der Industrie für seine Projekte zu gewinnen: Je weniger die öffentlichen Haushalte in der Lage sind, ihre Museen, Kunsthallen und kulturellen Projekte zu unterhalten, desto erfolgreicher kommt Smerlings Modell ins Spiel. Beachtliche 60 Millionen EUR hat er seit Bestehen des Stiftungsverein bei privaten Geldgebern akquiriert. Als Direktor des Museum Küppersmühle in Duisburg hat er den Etat über die vergangenen zwölf Jahre zu 97 Prozent privat finanziert. Auch der spektakuläre Erweiterungsbau wird ohne öffentliche Gelder gebaut. Eine Herausforderung für die öffentlich bestallten Museumsdirektoren. Manche sprechen von Provokation. Die Abstinenz von öffentlichen Zuwendungen, macht den umtriebigen Kunstmanager und Künstlerfreund dabei nicht weniger attraktiv für Politiker. Die Webseite der Stiftung zeigt den Vorstandsvorsitzenden Smerling wie er Angela Merkel die Kunst erklärt.

 


Prof. Dr. Walter Smerling in seinem Duisburger Büro,  © Photographie: Astrid Piethan

 

 

1999 übernahm Walter Smerling die Leitung des Sammlermuseums Museum Küppersmühle im Duisburger Innenhafen und lancierte den Verkauf von Teilen der Sammlung Hans Grothe an die Sammler Syvlia und Ulrich Ströher, deren Sammlung deutscher Kunst nach 1945 nun zu den größten zählt. Der Leihvertrag reicht bis 2025. Dann wird die Smerling-Stiftung 40 Jahre alt.

 

Mit der Tony Cragg Werkschau „Dinge im Kopf” (bis 13.06.) ist Smerling ein weiterer Durchbruch gelungen. Aber schon verspricht das kommende Jahr, sein erfolgreichstes zu werden. Dann endlich soll der spektakuläre Erweiterungsbau der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron in Duisburg eröffnet werden. Zeitgleich wird es eine Ausstellung mit Fotografien und Architekturmodellen „Herzog & de Meuron by Thomas Ruff” geben. Seinem Freund Anselm Kiefer kann er als Kurator der Bundeskunsthalle eine Ausstellung in Bonn bereiten (Juni 2012). Die Ausstellung „Anselm Kiefer, Werke aus dem Privatbesitz von Hans Grothe” lief schon in Antwerpen mit großem Publikumszuspruch.

 

Museum Küppersmühle, Kunstakademie Düsseldorf
und der Malerstar Anselm Kiefer:

 

Die Projekteschmiede Smerling wird 2012 auch wieder im Berliner Martin-Gropius-Bau aktiv. „Art & Press” nennt sich eine Ausstellung, die von März bis Juni Werke von 30 Künstlern zeigt. Sie sollen zum Generalthema Zeitung Stellung nehmen. Eine andere bewährte Verbindung wird hier ihre Vertiefung erfahren. Jeder Künstler darf sich auf einer Doppelseite der BILD-Zeitung verewigen.

 

Der schlechte Ruf, der Erfolg und die “Bild”:

 

Smerling ist überdies künstlerischer Leiter der privat finanzierten „Salzburg Foundation”. Vor neun Jahren begründete er das „Kunstprojekt Salzburg”. Für den Herbst ist das Abschlussprojekt geplant. Gleich drei österreichische Künstler, Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm, werden - jeder an einem anderen Standort - ein Werk in der Innenstadt realisieren. Alle Werke sind bisher Eigentum der privaten Foundation. Die Übergabe aller 12 Kunstwerke an die Stadt Salzburg ist für 2012 vorgesehen.

 

Kunstprojekt Salzburg:

 

Die Faszination:

 

Kunst lässt sich laut Smerling nur mit einer gehörigen Portion Begeisterung und Faszination vermitteln. So ist er zum Diener zweier Herren geworden: der Kunst und des Kapitals. Beiden gibt er Zucker, verschafft ihnen öffentliche Auftritte und öffentliche Anerkennung. Aber anders als der Diener bei Goldoni wirkt Walter Smerling weder gehetzt, noch zerrissen. Er fühlt sich in seiner Rolle außerordentlich wohl. Es ist die Rolle seines Lebens.

 

Der nichtrealisierte Beuys Spielfilm:

 

 

21.06.2011 13:11 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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